Schüleraustausch AUSTRALIEN 2000/01

(Erfahrungsbericht von Kerstin Klook)

Das Interesse andere Länder zu bereisen und sich mit ihnen zu beschäftigen, ist bei mir schon seit längerem groß.
Da ich schon vorher wusste, dass man im elften Schuljahr eine Zeit im Ausland verbringen kann, wollte ich diese Gelegenheit auch nutzen. Allerdings waren die meisten Angebote auf  ein  halbes oder auch ganzes Jahr gedacht, was für mich persönlich zu lang wäre. Deshalb war ich an einem Pilotprogramm der Bezirksregierung, das einen drei monatigen Aufenthalt im Ausland vorsah, sofort interessiert. Die Tatsache, dass es sich um einen Schüleraustausch handelte, hat mir besonders gefallen, da ich glaube, dass ein Auslandsaufenthalt mit einem Gleichaltrigen zusammen für mich besonders sinnvoll erscheint.

Das Land Australien hat mich schon immer fasziniert und deshalb habe ich mich bei dort um einen Platz beworben.
Die Erwartungen, die ich an diesen Austausch geknüpft hatte, beinhalteten die landschaftliche Erkundung zumindest eines kleinen Teiles von Australien und hauptsächlich das Kennenlernen der australischen Kultur und der Australier selbst. Außerdem wollte ich Australien anders entdecken als ein Tourist, der oft nur die Attraktionen eines Landes sieht, ohne sich mit den Menschen und dem eigentlichen Lebensstil auseinanderzusetzen.

Meiner Austauschpartnerin Sarah wollte ich versuchen Deutschland etwas näher zu bringen und den Kontakt mit ihr auch nach Beendigung des Austausches fortzuführen, da für mich auch Freundschaften im Ausland attraktiv sind.

Die Vorbereitung auf den Aufenthalt begann in Deutschland. Beim ersten Vorbereitungstreffen wurden sofort alle Fragen beantwortet, und ich fand es informativ, wobei mir allerdings Informationsmaterialien über das Land im Allgemeinen (Geschichte, Politik) gefehlt haben. Also musste ich mich selbst darum bemühen, um nicht unvorbereitet zu fliegen. Auch wären sicherlich Informationen aus erster Hand dienlich gewesen, jedoch ist dieses bei einem Pilotprojekt unmöglich.

In Australien fand zu Beginn ein Seminar statt, bei dem man nicht nur nützliche Informationen erhielt, sondern sich auch schon ein erster Eindruck von Sydney geprägt hat. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass das Programm nicht so kompakt gewesen wäre, da ich nach dem Flug mich erst einmal an eine andere Zeit und Umgebung hätte gewöhnen wollen. Dennoch war es möglich, die Bekanntschaften zu den in Düsseldorf kennengelernten Teilnehmern zu festigen und doch nicht ganz so gestresst wie unmittelbar nach dem Flug in die Familien zu gelangen.

In der australischen Familie meiner Austauschpartnerin Sarah Hampton blieb mir dann zumindest ein Tag mich zu schonen bis die Schule und der normale Tagesablauf für die nächsten zehn Wochen begann. Trotz der Müdigkeit aufgrund des Fluges fiel es mir leicht mich in das neue Leben einzugewöhnen, da meine Gastfamilie mich herzlich empfing und ich mich von Beginn an integrieren konnte. Die Struktur des Tages und meine Umgebung waren ähnlich den mir vertrauten, so dass ich innerhalb weniger Tage ein Teil der Familie war. Selbst um meine Sprachkenntnisse hatte ich mir unnötig Sorgen gemacht, da sowohl ich verstanden wurde, als auch der mir fremde Akzent mir keine Schwierigkeiten bereitete.

Das Leben in der Familie gestaltete sich fast gleich zu dem, was ich aus Deutschland gewöhnt war. Ich wurde als gleichwertiges Familienmitglied behandelt und hatte die gleichen Rechte und Pflichten. Nach meinen Möglichkeiten habe ich versucht bei der Hausarbeit zu helfen, was dazu führte, dass die Gastfamilie die gewonnene Zeit mit mir verbrachte und mir verständlich machten, dass sie dankbar für  meine Unterstützung war und ich ihren Erwartungen an eine Austauschschülerin voll entsprach. Mit der Zeit merkte ich, dass ich in ihren Augen eine Bereicherung für ihren Alltag war, da ich probiert habe ihnen Deutschland und besonders deutsches Essen in Form von einigen Backversuchen näher zu bringen. Als Stellvertreter aus Deutschland waren meine Meinungen zu bestimmten Themen immer gefragt, wobei sich bald herausstellte, dass die Kultur der beiden Länder doch nicht so verschieden ist, wie ich das noch vor der Reise gedacht hatte. Zahlreiche Ausflüge und ein zweitägiger Aufenthalt in der Hauptstadt Canberra haben den Aufenthalt noch interessanter gestaltet, so dass ich mich nur schwer verabschieden konnte und ich merkte, dass auch ich vermisst werde.

In der Schule bedurfte es einer längeren Eingewöhnungszeit, da der Tag erheblich länger war als in Deutschland und auch der Unterricht anders organisiert wurde. Mitarbeit im Unterricht wurde von den Schülerinnen nicht praktiziert, weshalb ich mich auch eher im Hintergrund hielt. Nur in den Fächern Geschichte und Drama waren die Lehrer an einer Teilnahme meinerseits interessiert. In Geschichte durfte ich über die deutsche Beteiligung im ersten Weltkrieg berichten und in Drama war ich an zwei Theaterstücken beteiligt. In den anderen Klassen wurde ich zur Kenntnis genommen, aber niemand bat mich Informationen aus Deutschland einzubringen oder ein Referat zu halten.


Da wir sieben Austauschschülerinnen aus dem Programm an dieser Schule waren, haben wir täglich jeweils eine der siebener oder neuner Klassen beim Deutschlernen unterstützt, was sowohl eine willkommene Abwechslung für die Schülerinnen als auch für mich (uns) war. Die Wahl der Fächer war sehr begrenzt, was man als Kritik erwähnen könnte. Im Stundenplan konnten nur geringfügige Änderungen gemacht werden, aber die meisten Fächer kannte man ohnehin aus Deutschland. In sprachlicher Hinsicht war ich nur in naturwissenschaftlichen Fächern etwas überfordert, da mir zum Teil das Fachvokabular fehlte. Den Unterrichtsstoff kannte ich schon aus Deutschland, da ich in Australien die meisten meiner Fächer im zehnten Schuljahr absolvierte.
Die Freundlichkeit der Menschen setzte sich auch hier fort, besonders die Schülerinnen waren äußerst hilfsbereit und deshalb war eine Integration, nachdem ich mich zurechtgefunden hatte, schnell möglich.

 Es machte sich bezahlt, dass man eine Austauschpartnerin in der Schule hatte, die einem half, wenn man sich im Gebäude verlaufen hatte oder die mir falls nötig den Unterrichtsstoff erklärte.

Die Tatsache, dass ich mit sechs anderen Austauschschülerinnen an der gleichen Schule war, hat mich zu oft deutsch sprechen lassen und in den Pausen wurde eine deutsche Gruppe gebildet, was für die Freundschaft mit vielen Australiern nicht förderlich war. Nach einiger Zeit habe ich dann gemerkt, dass ich mich mit den einheimischen Schülerinnen besser verstand und die letzten Wochen wurden um so genussvoller, doch leider musste man viel zu früh Lebewohl sagen. Wir hatten viel Spaß und haben einigen Schulstunden durch Gespräche interessanter gestaltet.

Nach dem Aufenthalt in Australien sind nur positive Erinnerungen an das Land und die Leute geblieben. Dieses war bei allen Austauschschülerinnen auf meiner Schule auch so, obwohl ich den Eindruck hatte, dass sie sehr vom Heimweh geplagt waren und sich vielleicht auch eine so liebenswerte Austauschschülerin gewünscht hätten, wie ich sie bekommen habe.

Da ich zu Hause nur zwei Wochen Unterrichtsstoff im neuen Schuljahr versäumt hatte, fiel mir das Aufarbeiten leicht. Freunde hatten mir das mir fehlende Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt, so dass ich bald wieder am Unterricht regelmäßig teilnehmen konnte.

Im Gegensatz dazu war die Zeit, in der meine Austauschschülerin bei mir war anstrengender, als die nach meinem Aufenthalt in Sydney, weil meine Konzentration im Unterricht oft nur auf Sarah gerichtet war und ich dem Unterricht nicht so folgen konnte, wie ich das normalerweise tue. Die Nachmittage waren dann fast ausschließlich mit Unternehmungen mit ihr verplant, so dass nur der Abend blieb, um den Unterricht vor- bzw. nachzuarbeiten. Dieses war besonders während meiner Klausurphase ungünstig, da oft nicht genug Zeit zum Lernen blieb. Insgesamt wurde ich aber von der hiesigen Schule unterstützt, um den Anschluss möglichst schnell wieder zu erlangen und um Sarah einen optimalen Stundenplan zu bieten.

Der Austausch hat mich insofern verändert, als ich in allen Bereichen selbstständiger geworden bin und gelernt habe Verantwortung für mich selbst zu übernehmen. Ich wurde nicht an die Hand genommen, sondern habe versucht meinen eigenen Weg zu finden und dabei konnte mich meine Gastfamilie nur unterstützen, nicht aber alles für mich tun. Der Aufenthalt in Australien hat mir gezeigt, dass es mehr gibt als nur Deutschland und ich hatte eine ideale Gelegenheit auch einmal über den Tellerrand hinüber zu schauen; eine Bereicherung für meine persönlich Entwicklung, die ich nicht missen möchte.

Durch tägliches Verschicken von Emails, wöchentliches Telefonieren und regelmäßiges Schreiben halten Sarah und ich den Kontakt aufrecht. Ich bin sicher, dass das noch lange so bleibt, bis wir uns dann bestimmt noch einmal besuchen werden. Ich habe keinen Kontakt zur Gastschule, jedoch aber zu Schülerinnen, den ich versuchen werde durch Emails zu erhalten.

Verbesserungsvorschläge meinerseits zum Programm sind das Ausgeben von mehr allgemeinem Informationsmaterial über Australien, sowie ein nicht so straffes Programm beim Einführungsseminar in Sydney. Außerdem wäre es sinnvoller nicht so viele Schüler aus dem Programm auf eine Schule zu schicken. Die Kontaktaufnahme mit den australischen Schülerinnen und Schülern wird beeinträchtigt, da die Versuchung mit den anderen Deutsch zu sprechen viel zu groß ist.

Besonders sinnvoll fand ich die Zusammenstellung eines  Fragebogens, weil er nicht nur persönliche Daten, sondern auch Gewohnheiten, Hobbys und Lebensumstände erfasst hat. Das war sowohl für die Suche nach den richtigen Partnern, als auch für das Einstellen auf den Austauschpartner von hohem Nutzen. Dies hat - zumindest in meinem Fall - zu einem perfekten Ergebnis geführt.

Anmerken lässt sich noch, dass bei einem Austausch in dieser Form alle Familienmitglieder hinter einem selbst und dem Austausch stehen müssen, da zehn Wochen eine lange Zeit sind und der Austauschpartner schnell erkennt, ob er willkommen ist oder nicht.

Insgesamt möchte ich festhalten, dass der gesamte Austausch im hohen Maße erfolgreich war und ich eine außerordentliche gute Erinnerung an diese Zeit habe und immer haben werde.