Kölnische Rundschau vom 9.12.99

Von Jürgen Heup
Zülpich. Hefte, Stifte, Radiergummi und Bleistiftspitzer. Der jährliche Grundbedarf eines Schülers in der Türkei, der umgerechnet für 30 Mark gekauft werden kann. Doch in den von Erdbeben betroffenen Gebieten in dem Land am Bosporus liegt alles in Schutt und Trümmer. Die Familien in den Erdbebengebieten haben kaum genug Geld, um den täglichen Lebensunterhalt zu bestreiten, geschweige denn Mittel übrig, Schulmaterialien zu kaufen. Die Kinder leiden dadurch doppelt, denn ohne Schulbildung sieht ihre Zukunft in dem gebeutelten Land noch düsterer aus.
Beate Weiler-Pranter aus Vlatten hatte die erschütternden Berichte über Not und Elend in den Erdbebengebieten hilflos am Fernseher mitverfolgen müssen. Dann stieß sie auf eine Aktion der Arbeiterwohlfahrt (AWO), die speziell Schülern in der Türkei hilft. Diese Idee trug sie an die Klassenpflegschaft des Zülpicher Franken-Gymnasiums heran, in der sie auch tätig ist. Begeistert wurde der Gedanke aufgenommen und die Klassenpflegschaftsvorsitzende Giesela Berning sprach ebenfalls mit der Lehrerschaft und der Schüler-Vertretung über diese Aktion. Mit nur 900 Mark kann eine ganze Schulklasse ein Jahr mit Schulmaterial versorgt werden.
Bei 900 Schülen am Frankengymnasium eine Belastung von einer Mark pro Schüler. "Angesichts der Größe der menschlichen Tragödie müsste dies möglich sein", sagte Giesela Berning. Damit war die Spendenaktion geboren, denn Marlis Herterich vom AWO Kreisverband Köln erklärte, dass jede Spende an ein Kind in dem Erdbebengebiet weitergeleitet wird.
Das war vor 14 Tagen. Die Schülersprecher Phoebe Eggert und Jan Albers hatten die Durchführung in ihre Hand genommen, waren durch die Klassen gegangen und hatten zusätzlich noch auf dem Weihnachtsmarkt und auf einem Weihnachtsbasar der Krankenanstalt Marienborn gesammelt. "Wir haben uns auch viele blöde Kommentare anhören müssen. So etwa, ob die Gelder für den Kauf von Panzern verwendet würden", verdeutlichte Jan Albers die nicht immer einfache Sammelaktion. Belohnt wurde das Schülerengagement mit einem stattlichen Ergebnis: "2300 Mark wurden in dieser kurzen Zeit gesammelt", konnte Schulleiter Hans-Joachim Thierfeldt stolz vermelden. Am Dienstag fand die Schecküberreichung an Marlis Hertrich von der AWO statt, die sich für die ordentliche Verwendung der Spenden verbürgt.