Eine Institution verlässt das Franken-Gymnasium

Am Freitag, dem 30.01.2004, war der letzte Dienst-Tag von Studiendirektor Zinner, seit 1972 Lehrer für die Fächer Französisch, Geschichte, Sozialwissenschaften und Politik am Franken-Gymnasium in Zülpich. In einer kleinen Feierstunde verabschiedeten sich Schulleiter Dr. Thierfeldt, das Kollegium und die Schülerschaft von einem Mann, dessen Name für alle Beteiligten stets ein Synonym für einen besonders gewissenhaften Lehrer, den Blaye-Austausch und die Betreuung der Oberstufe war.
Umrahmt von Gitarrenmusik, vorgetragen von Christoph van der Broeck, ergriffen Rütger Streubel als langjähriger Weggenosse und Französischkollege, Dr. Thierfeldt für das gesamte Kollegium, Beigeordneter U. Lückenbach in Vertretung von Bürgermeister Ander und die Sprecher der Schülerschaft das Wort.
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Rütger Streubel wies in einem launigen Vortrag unter Bezug auf einige La-Fontaine-Fabeln auf typische Charaktereigenschaften Zinners hin, so z. B. seine Fairness gegenüber Schülern, seine Bescheidenheit bezüglich der eigenen Person und seine Anpassungsfähigkeit und Flexibilität, aber auch seine eichenhafte Standfestigkeit gegenüber den sich pausenlos ändernden Direktiven seitens der Bildungsbürokratie. Als Abschiedsgeschenk überreichte er einen Bildband über die Chauvet-Höhle im Ardèche Tal, der dem „Pensionär“ die Weiterführung zweier lebenslanger Interessen ermöglichen soll, des Interesses an Frankreich und am Fach (Früh)geschichte.
Ulrich Lückenbach sprach seinen Dank im Namen der Stadt aus und wies auf das vorbildliche, langjährige Wirken von Dietmar Zinner am Zülpicher Gymnasium, aber insbesondere seine Verdienste um die „jumelage“ mit Blaye hin.
Das Schülersprecherteam, bestehend aus Annika Eppelt, Bodo Pohla und Mark Schutz, betonte besonders Herrn Zinners verlässliche Art des Umgangs in seiner Funktion als Oberstufenkoordinator, aber auch seine menschliche Zugänglichkeit, z. B. im Rahmen von Stufenfahrten.Der Lehrerchor verabschiedete sich von „Confrère Zinner“, wie könnte es anders sein, mit einer eigenen Version des Kanons „Frère Jacques“.
Bei der Vorbereitung seiner Abschiedsworte hatte Schulleiter Dr. Thierfeldt offensichtlich eine Reihe von Gemeinsamkeiten in den Lebensläufen seiner Person und Dietmar Zinners entdeckt. Diese Gemeinsamkeiten gibt es sowohl im außer-rheinischen Geburtsort und in weltkriegs-geprägten frühen Lebensabschnitten als auch bezüglich des Abiturjahrgangs und -ortes (1962 in Bonn), einer zweijährige Militärdienstzeit als Fernmeldesoldaten und desselben Studienortes (ebenfalls Bonn). Erstmals direkt kreuzten sich ihre Lebenswege allerdings erst mit der Versetzung von Dr. Thierfeldt an das Franken-Gymnasium im Jahre 1995.
Bezüglich der Formulierung der zentralen menschlichen und dienstlichen Qualitäten von Dietmar Zinner machte es sich Dr. Thierfeldt leicht. Er zitierte nämlich einfach aus früheren dienstlichen Beurteilungen seiner beiden Amtsvorgänger, Dr. Rohr und Hubert Wintz. Von beiden wurde Dietmar Zinner schon früh als „talentierter Mann, mit sicherem Auftreten“ beschrieben. Weitere offensichtliche Attribute waren „Gewissenhaftigkeit, Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein, Leistungsbereitschaft und Eigenständigkeit“. Auch die Quintessenz von Hubert Wintzens Einschätzung bestätigt Dr. Rohr in seiner Beurteilung in eindrucksvoller Weise. Er schrieb 1985: Dietmar Zinners „allgemeines dienstliches Verhalten geht weit über ein normales Maß hinaus.“ Dr. Thierfeldt hatte dem nur wenig hinzuzufügen.
Er hob allerdings drei weitere Aspekte hervor: zum einen die Verdienste von Dietmar Zinner um den Blaye-Austausch, der ohne sein jahrzehntelanges Engagement kaum so erfolgreich verlaufen wäre; dann seinen Einsatz als Reserveoffizier, den er mit dem Dienstrang eines Oberstleutnants abschloss, und seine erfolgreiche Betätigung als Sportler, die im letzten Jahr mit dem unglaublichen Rekord einer 45fachen Wiederholung des Erwerbs des Sportabzeichens auch öffentliche Aufmerksamkeit erregte.
Dr. Thierfeldt sprach Herrn Zinner den Dank der ganzen Schulgemeinschaft für über drei Jahrzehnte engagierten und vorbildlichen Einsatz für das Zülpicher Gymnasium in einer Vielzahl von Funktionen aus. Das überreichte Präsent aus einer Flasche 1997er Grand Cru Medoc und einer Flasche edlen Champagners kam bei Weinkenner Zinner gut an.

Am Ende der kleinen Feier bedankte Dietmar Zinner sich in sehr persönlicher Weise für die Abschiedsworte der verschiedenen Redner. Seine Stimmungslage angesichts des Abschieds nach fast 32 Dienstjahren am Zülpicher Gymnasium beschrieb er mit dem französischen Sprichwort „Partir, c’est mourir un peu...“. Eine so lange „Ortstreue“ sei nicht etwa auf pure Einfallslosigkeit zurückzuführen, der eigentliche Grund war die enge Partnerschaft zur Stadt Blaye und dass er sich an seiner Schule stets sehr wohl gefühlt habe. Wesentlich war für ihn die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern, der Elternschaft und den pädagogischen und nicht-pädagogischen Mitarbeitern des Franken-Gymnasiums.