Figaros Hochzeit, einmal nicht von Mozart

Viel Applaus für begeisternde Aufführung des Literaturkurses des Franken-Gymnasiums

Wieso ausgerechnet Figaros Hochzeit? Alles begann mit einem kleinen Kreuz auf einem Formular bei der Wahl des Faches Literatur und endete in der Zülpicher Stadthalle. Durch Nachahmungen von Hühnern, Affen und ähnlichem Getier und durch Simulation von Vorsprechsituationen echter Bühnenaspiranten mussten die Schüler zu Beginn des Halbjahres während des Unterrichts zunächst einmal ihre grundsätzlichen theatralischen Qualifikationen unter Beweis stellen. Sehr schnell stellt sich heraus, dass die Schauspieler „in spe“ eine klare Naturbegabung für das Komödienfach hatten. Aus dem Angebot verschiedener Stücke, die von den beiden Kurslehrerinnen Frau Flink und Frau Linden vorgeschlagen wurden, kristallisierte sich dann „Figaros Hochzeit“ von Gerd Sprenger nach Beaumarchais auch wegen des Mangels an männlichen Eleven als Kurslieblingsstück heraus. Nach einer Probeaufführung im Kloster Marienborn am 24.06.02 vor etwa 40 Zuschauern, war der Kurs dann durchaus hoffnungsfroh, das Stück am 28. Juni 2002 in der Stadthalle dann auch vor großem Publikum zum Erfolg zu führen.

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Von Anfang an stellte das Stück wegen seiner komplizierten Intrigen und Verwechslungen das Publikum vor einige Probleme, hätte da vom Autor nicht durchgängig Hilfe in Form der Kommentatorin Marie Antoinette (hinreißend ironisch dargestellt von Daniela Schmitz) zur Verfügung gestanden. Vereinfacht ausgedrückt geht es in „Figaros Hochzeit” um die Frage: Wie ist es möglich, den im Grund einfachen Wunsch zweier sich liebender Menschen zu heiraten nur durch eine unvorstellbare Fülle von Intrigen verwirklichen zu können? Zwar will Figaro (Sebastian Reiss), der Kammerdiener des Grafen Almavira (Christian Metzen), Suzanne (Eva-Maria Greuel) heiraten, doch er ist Marceline (Isabelle Barrat) versprochen, sofern er sich nicht mit der Summe von 2000 spanischen Piastern freizukaufen vermag, die er natürlich nicht besitzt. Der Graf, der durch seine lüsterne Natur die Gefühle seiner Angetrauten (der von Julia Fischer gespielten Gräfin Almavira) mit Füßen tritt, ist bereit, Figaro das Geld als Mitgift zu überlassen. Die Bedingung ist, dass er von seinem eigentlich längst abgeschafften Herrenrecht bei Suzanne Gebrauch machen darf, dem Recht eine Liebesnacht mit allen angehenden Ehefrauen seines Hofstaates zu verbringen. Doch Marceline ist Figaros leibliche Mutter und heiratet schließlich den Doktor Bartholo (Julia Bayer). Der Graf wird öffentlich blamiert und die Zofe Fanchette (Janine Koutsovagelis) und der Page Cherubin (Martin Gierdal) werden überraschend ein Paar.

Nach zahllosen Intrigen und Verwechslungen hinter Sofas, Sesseln und dürftigen Büschen siegt am Ende selbstverständlich die Liebe und alles wird gut.

Selbstverständlich bedarf es in einer derartig komplizierten Verwechslungskomödie der Mithilfe einer Reihe von schrulligen Hofschranzen, als da wären, der versoffene Gärtner Antonio (Christian Böser) mit seiner unausrottbaren Leidenschaft für die Melonenzucht, die mannstolle Fanchette mit dem Staubwedel und dem schlitzohrigen Pagen Cherubin, der großmäulig-hasenherzige Musiklehrer Bazile (Isabel Graf), der lispelnde Dorfrichter Don Guzman Brid'oison (Elisabeth Küpper), der Gerichtsschreiber Double-Main (Jutta Heinrichs), der Gerichtsdiener (Alexander Vorstadt) und der Totengräber Gripe-Soleil (Sebastian Möltgen).

Aber zum Gelingen der Mühen der jungen Schauspieler war auf und hinter der Bühne die Mitarbeit weiterer Kursteilnehmer nötig. Als da wären Sarah Jenischewski (Souffleuse), Anika Földi (Maske), Adelheid Beresheim, Verena Janietz, Katrin Mergen, Melanie Rosenbaum, Sabine Schneppenheim und Marc Wiederhold.

Das Publikum jedenfalls war restlos begeistert, denn man merkte den Laiendarstellern durchgängig ihre große Spielfreude an. Textsicherheit, Temporeichtum und eine Vielzahl von Gags ließen den Funken von Anfang an überspringen. Immer wieder von Szenenapplaus begleitet trieben sowohl die Hauptdarsteller Christian Metzen, Sebastian Reiss, Julia Fischer, Eva-Maria Greuel, Julia Bayer und Isabelle Barrat, als auch als die gute besetzten Nebenrollen mit Martin Gierdal, Christian Böser, Elisabeth Küpper, und Isabel Graf ihre teils an moderne Zeiten angepassten historischen Späße.

Der große Abschlussapplaus des vollbesetzten Hauses für die von Marita Linden und Ute Flink hervorragend vorbereitete Truppe war wohlverdient.

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