Vom Unterrichtsverhinderungsmorgen zum Fest für die Schule

Rückblick auf 15 Jahre Abiturscherz
von Rolf Westhofen

Abitur - Abiturprüfung - Abiturfeier - wie alles im Leben und in der Gesellschaft, so ändern sich die Regelungen und Gebräuche auch bei all dem, was mit der Reifeprüfung zusammenhängt. Gegen Ende der siebziger Jahre verzichteten die Abiturienten bewusst auf eine Feier, heute ist der Abschlusstag vom Gottesdienst bis zum Kalten Buffet im festlichen Rahmen die Regel.

Eine verhältnismäßig junge Entwicklung machte der letzte Unterrichtstag der Jahrgangsstufe 13 durch. Bis 1983 kamen die Abiturienten an diesem Tag - meist im April - zur Schule und erhielten nach den letzten Unterrichtsstunden, die meist noch zäh abgesessen wurden, vom Schulleiter Informationen zum Ablauf der Prüfungen und dann die offizielle Zulassung zum Abitur. Da in der vorhergehenden Nacht eine Reihe von Abiturienten z.T. kräftig feierten, traten manche zur Zulassung mehr oder weniger alkoholisiert an.

Aus anderen Städten kamen damals bereits Meldungen, dass Abiturienten ihren letzten Schultag für einen Streich nutzten, der die Mitschüler für ein oder zwei Stunden um den Unterricht brachte.

1984 hatte diese Entwicklung auch das Gymnasium Zülpich erreicht. Doch sollte eines an dieser Stelle festgehalten werden: Horrormeldungen von zerstörtem Mobiliar, unbrauchbar gemachten Schlössern oder „Scherzen”, die eher so zusammenzufassen sind, dass hier Abiturienten ihren Frust an Schule und Lehrern geballt loswerden wollten, können vom Zülpicher Gymnasium nicht bestätigt werden.

Nachdem 1984 das Zumauern der Verwaltung sowie ein Gang, der mit 1200 Luftballons gefüllt war, den Unterricht der ganzen Schule für eine Stunde lahmlegte, lag bei den nächsten drei Jahrgängen das Hauptaugenmerk darauf, den jüngeren Schülern - natürlich zu deren Freude - den Unterricht so lange wie möglich zu ersparen. Hier zeigten die Abiturienten z.T. ungeahnte Aktivität, indem einmal mehrere Schrottautos vor die verschiedenen Eingänge gestellt wurden, ein Teppich aus Löschschaum den Schulhof bedeckte, Ketten und Papierballen die Zugänge versperrten oder der Schulhof mit Mistfuhren belegt war, die „fein säuberlich” auf ausgerollter Folie abgeschüttet waren, aber zum Himmel stanken und das Ziel erreichten: Unterricht war für eine, zwei oder gar drei Stunden verhindert.

Der Gesamteindruck dieser Phase lässt sich so zusammenfassen: das Verhalten dieser Abiturjahrgänge war zwar harmlos, aber destruktiv.

Danach änderte sich das Aussehen des letzten Schultages. 1988 wurden Schüler und Lehrer von einem Ereignis positiv überrascht: auf dem Schulhof war eine „Kirmeslandschaft&148; entstanden mit Karussell, Wurfbude, Erbsenschmiede; für Unterhaltung sorgte eine Live-Band im PZ. Nachdem bereits im Vorjahr die Beratungslehrerin im Ponywagen durch Zülpich zur Schule kutschiert worden war, wurden nun Herr Wintz und Herr Zinner, der Beratungslehrer, in einem Karnevalswagen „hoch zu Schwein” zur Schule gefahren, wo natürlich zuerst eine Lehrerrunde auf dem Karussell anstand. Da durch ein Kuchenbuffet und Getränke auch für das leibliche Wohl gesorgt war, hatte der Vormittag Schulfestcharakter. Der bisher übliche Drang, Unterricht möglich zu machen, kam gar nicht erst auf.

An dieser positiven Entwicklung nahmen sich die folgenden Jahrgänge ein Beispiel. Der letzte Schultag der 13 wurde nun regelmäßig unter ein Motto gestellt, die Mitschüler und die Lehrer wurden „beschäftigt”, und das Franken-Gymnasium hatte sein alljährliches Schulfest.

Einige Ereignisse sollten besonders erwähnt werden.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Franken-Gymnasium seit 1988 sein regelmäßiges Schulfest aus Anlass des letzten Schultages der jeweiligen Abiturientia feiert, zu dem Schüler wie Lehrer eingeladen sind und auch viele Eltern als Zuschauer erscheinen. Leider wird dieser positive Eindruck in den letzten Jahren durch eine neue Entwicklung beeinträchtigt, da die Abiturienten nun an ihrem vorletzten Schultag versuchen, mit viel Krach im ganzen Schulgebäude den Unterricht, ja sogar Klassenarbeiten zu stören.

Befinden sich einige Abiturienten wieder auf dem Rückweg, dem Weg zur bloßen Unterrichtsverhinderung? Es wäre schade!

Und so ging's weiter...

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