
An dem Feigenbaum aber lernet ein Gleichnis:
Wenn sein Zweig jetzt treibt und die Blätter kommen,
so wisst Ihr,
dass der Sommer nahe ist.
Mk 13,28
Unsere Hoffnung muss Phantasie bekommen,
die diese kranke Welt neu entwerfen kann,
die das aus-malen, aus-denken, aus-deuten, ausbreiten kann,
von dem wir jetzt nur träumen können:
den Neuen Himmel und die Neue Erde.
Liebe Freunde und Bekannte!
Heute am ersten Adventssonntag gehen meine Gedanken zurück zum Beginn des Jahres, das, wie immer, so schnell
verging. Für die Acesa war es ein Jahr voller Erwartungen und Veränderungen. Im Februar verließ uns Fátima: lange 16
Jahren hat sie sich in der Gesundheitsarbeit eingesetzt und war mit ihrem fröhlichen Wesen in allen Gemeinden beliebt. Auf
dem Gebiet der natürlichen und alternativen Ernährungsunterweisung war sie unschlagbar. Ihr, ein herzliches Dankeschön
für all die Jahre der Treue und Hingabe.
Im März gingen wir auf die Suche nach einer neuen Fachkraft im Agrarbereich, da unsere
Agraringenieurin Carol uns zum Jahresende verlässt und mit Ihren beiden Kindern zurückkehrt zu Ihrer Familie nach Minas Gerais. Auch wenn Carol „nur“
sechs Jahre bei uns war, hat ihre Arbeit doch große Anerkennung gefunden und sie war unseren Männern im Agrarteam
eine bereichernde Herausforderung und von allen hochgeschätzt. Auch Ihr den gleichen herzlichen Dank. Mit
offenem Herzen begrüßt die Acesa auch die neue Nachfolgerin, Regina Helena Bernardes, die seit
Ende Oktober bei uns ist.
Ein großes Thema hat uns in diesem Jahr besonders herausgefordert und wird uns in den
kommenden Jahren fortbegleiten. Wie können wir unter den Jugendlichen eine neue begründete Hoffnung wecken?: es lohnt den Einsatz für ein
menschenwürdiges Leben auf dem Land. Wie können wir uns für eine bessere Agrarproduktion, für bessere
Erziehungschancen, für eine bessere Gesundheit und auch für ein besseres Kultur- und Freizeitangebot einsetzen, damit das
Thema „Landleben“ nicht abgehackt wird, sondern auf die Prioritätenliste von Heute und Morgen kommt? Acesa hat in
diesem Jahr versucht, für die Notwendigkeit der Diskussion dieses Themas, auf zahlreichen Veranstaltungen und Treffen,
ein neues Bewusstsein zu schaffen.
Aus den nachfolgenden Worten Carols wird die gleiche Sorge deutlich. Auch Gracinete berichtet
in Ihren Zeilen vom Traum des Feigenbaums Frucht zu tragen:
Der Jahreswechsel zum neuen Milennium rief in der ganzen Welt Erwartungen wach, auf eine
Veränderung auf das Neue: viele Feste, um die Ankunft eines neuen und besseren Jahres zu feiern.
Wir von der ACESA haben uns in dieser Erwartung versucht, unser Motto "Erziehen mit Freude"
zu leben und zu teilen: in der Arbeit mit den Familien, bei den Treffen mit Gruppen und
Vereinigungen, bei den Planungssitzungen, in den Aktivitäten mit den Pfarreien und auch
bei den festlichen Begebenheiten in den Dörfern.
In diesem so geschichtsträchtigen Jahr, feierten wir in unserer Diözese Bacabal noch einen großen Sieg: 36 Landarbeiter, die vor vielen
Jahren in einem Landkonflikt verwickelt waren, wurden vor Gericht frei gesprochen. Ein einmaliger Erfolg für die Rechte der Landarbeiter.
Es war ein Fest, das Geschichte schrieb in diesem Kampf gegen den feudalen Großgrundbesitz, eine Feier, die den Wert der Landarbeiter
und -frauen würdigte und bestärkte.
Auch die Jugendlichen haben im Jahr 2000 ihre Teilnahme bekräftigt. ACESA, in Partnerschaft mit der UAEFAMA (Vereinigung der
Landwirtschafts-Familien-Schulen von Maranhão), veranstaltete das „I Forum der Landjugend“: während drei Tage trafen sich zum ersten
Mal Jugendliche aus den Dörfern der Diözese Bacabal, auch SchülerInnen und Ex-SchülerInnen der
Landwirtschafts-Familien-Schulen: ist Leben auf dem Land noch aktuell? Dieses Forumtreffen hat sein Ziel erreicht: die Jugendlichen zu einem größeren Engagement für ihre
eigene, bessere Zukunft zu ermutigen.
Die Notwendigkeit, wurde uns besonders deutlich bei unseren Besuchen und Evaluierungen, die wir in mehr als 50 Dörfern der Diözese
unternahmen. Viele haben ihr Land erstritten, doch haben allzu wenige Zugang zu ländlichen billigen Krediten und technischer Hilfe. Die
Landesregierung setzt ihre provinzielle Politik der Intressenswahrung der Großgrundbesitzer und Großunternehmen fort. Und während die
offizielle Propaganda vermehrte Investitionen für eine bessere Infrastruktur hochjubelt, stellt sich die Realität weitaus grausam dar: viele
Dörfer noch ohne Straßen, Wasser, und elektrische Energie.
So dauert die große Herausforderung, auch zu Beginn dieses neuen Milenniums, an: um die Würde und Überlebenschancen der kleinen
Familienhöfe auf dem Land zu sichern, muss die Region ein neues Bewusstsein schaffen und konkrete Maßnahmen einleiten: weg von einer
noch indianisch geprägten Sammlerkultur und hin zu einer agrar-ökologischen Kultur der kleinbäuerlichen
Entwicklung, die den Familien mehr als nur das nackte Überleben sichert. Auch international müssen wir weg vom Monopol des
Agro-business. In den ländlichen Gemeinden beginnen die Familien, für diese Zusammenhänge die Augen zu öffnen und eine neue Zuversicht hat sich in
der Region ausgebreitet. Auch die ACESA hat sich verpflichtet neue Agrartechniken zu entwickeln,
die nicht kostenintensiv, an das Klima und den Bedürfnissen der Bevölkerung
angepasst sind. Mit neuem Elan haben wir in diesem Jahr die praktischen Initiativen im
landwirtschaftlichen und auch im gesundheitlichen Bereich fortgeführt. Unser kleines Landgut "Sítio das Bagens" ist uns eine gute
pädagogische Hilfe.
Auch ist das jährliche Forum der LandarbeiterInnen" ein wichtiger Bestandteil unserer Methodik geworden, fördert es doch den
Austausch von neuen, angepassten Agrartechniken. So entsteht gemeinsam, durch LandarbeiterInnen und Fachkräfte, ein neues Agrarmodell in der Region: nein zur Brandrodung und ja zur
natürlich-organischen Bodendüngung. So verbessern wir das Einkommen und auch die Gesundheit unserer Familien. Die ersten Früchte
sind schon sichtbar.
In der Hoffnung, dass wir alle dazu beitragen, eine menschenwürdiges Leben auch auf dem Land zu ermöglichen, wünschen wir von der
ACESA und alle Gemeinden allen Wohltätern in Deutschland ein Gesegnete Weihnacht und ein Gesundes Neues Jahr 2001.
Herzlich - Um cordial abraço - Eure Carol Baker Botelho (Agraringenieurin)
Unser Jahr, hier in Brasilien, stand ganz im Zeichen der 500 Jahrfeiern seiner „Entdeckung“ oder besser einer Besetzung. Wir Brasilianer,
träumten eine andere Geschichte zu feiern, ohne soziale Ungleichheiten, frei von Straßenkinder und Kindern ohne Schule, Erwachsene
ohne Arbeit und vor allem ohne die viele Gewalt. Darum haben wir wenig zu feiern, außer des Widerstandes und
des Kampfes des einfachen Volkes um ein menschenwürdiges Leben.
Gerade trotz dieser Herausforderungen träumen wir von der Kinderpastoral Pastoral da Criança
für einen jeden Bürger von der Möglichkeit von drei täglichen Mahlzeiten, von Erziehung und
Ausbildung, von Gesundheit, Freizeit, Kunst und Kultur, von frohem Lachen und von
der Hoffnung. Wir träumen vom Ideal Jesus Christi „damit alle das Leben in Fülle haben“ (Jo 10,10).
Wie schon Bischof Dom Helder anmerkte: „ein Traum wird Wirklichkeit, wenn viele ihn
gemeinsam träumen“. Diese Träume sucht die Kinderpastoral gemeinsam mit allen andern
Gruppen und Bewegungen zu verwirklichen: mit ihren 600 Müttern und Helferinnen in über 150
Dörfern und Stadtvierteln der Diözese Bacabal.
Silvana und Vera träumen für uns die Botschaft von Weihnachten:
Silvana: (alleinstehende Mutter, ohne Arbeit, 25 Jahre und Helferin in der Kinderpastoral):
früher, wenn ich ein unterernährtes oder krankes Kind sah, empfand ich gar nichts, das berührte mich überhaupt nicht. Eines Tages baten mich die Helferinnen der
Kinderpastoral in meinem Viertel, ein halb verhungertes Kind zu besuchen: da sah ich den Einsatz der
anderen um das Leben dieses Kindes zu retten; sie haben versucht was möglich war, aber es konnte nicht überleben. Nach diesem Erlebnis, begann ich anders zu
denken und ich merkte, dass die Unterernährung und Krankheiten der Kinder nicht nur in der
Verantwortung der Mutter liegt, sondern es ist auch meine und die unserer Gemeinschaft. Ich merkte,
dass ich sehr viel helfen könnte. So machte ich dann bei der Kinderpastoral
mit und helfe jetzt in meinem Viertel das Leben von vielen Kindern zu retten: und ich fühle mich
sehr gut.
Vera (33 Jahre, verheiratet, Analphabetin, ohne Arbeit, Helferin in der Kinderpastoral):
die anderen in meinem Viertel haben mich immer eingeladen bei der Kinderpastoral mitzumachen, aber ich habe immer abgewunken: ich kann nicht, denn ich kann nicht lesen und
schreiben. Aber sie ließen nicht locker und so begann ich an den Treffen teilzunehmen, Kinder zu wiegen und das machte mir
Spass. Und
so merkte ich wie ich wirklich helfen konnte. Heute fühle ich mich sehr gut und habe viele Sachen gelernt, die mein eigenes Leben
verbesserten und auch den anderen Leuten halfen. Früher war ich eine sehr verschlossene Person, jetzt bin ich bekannt in meinem
Viertel und fühle mich geachtet, geschätzt und geliebt von den Familien, die wir begleiten. Trotzdem habe ich große Schwierigkeiten
mit meinem Mann: er will nicht dass ich bei der Kinderpastoral helfe: er streitet sehr viel deswegen, verletzt mich und hat schon
versprochen, dass er mich schlagen werde, wenn ich weiterhin mitmache. Aber ich werde weitermachen mit dieser Arbeit, denn Gott wir
mir Kraft und Mut geben.
Es ist Weihnachten: Zeit die Gegenwart Gottes in der Geschicke der Menschheit nachzuspüren. Die Botschaften der Frauen zeigen,
dass
Gott gegenwärtig ist in unserem Leben. In der Gewissheit, dass wir alle gemeinsam unsere Träume verwirklichen und eine neue Welt schaffen
können, möchten wir für alle Eure Unterstützung und Solidarität danken und wünschen Euch von Herzen
eine Frohe Weihnacht und reichen Segen im Neuen Jahr
Mit lieben Grüßen Eure Gracinete Lemos Schröder
Die Verwirklichung unserer Träume für eine neue Welt braucht viele Hände und Füße, die Hand anlegen an dieser kranken
Welt und die sich wundlaufen um das Heil dieser Welt, sowohl hier im Nordosten Brasilien, als auch in Europa und
Deutschland.
In den Landwirtschafts-Familien-Schulen stand in diesem Jahr die Verwirklichung eines
bestimmten Traumes im Vordergrund: ein Ausbildungsprogramm im administrativen und finanziellen Bereich. Denn was nützen alle Träume, wenn
sie sich nicht an den konkreten Erfordernissen ausrichten. Dieses dreijährige Ausbildungsprogramm, das die Schulen
turnusmäßig begleitet, zeigt erste gute Früchte und wird von allen Beteiligten gut aufgenommen.
Für allen guten Willen und für alles Bemühen Gott Dank sagen. Von ganzem Herzen möchte ich auch Euch
danken, die Ihr unsere Arbeit mit Eurem Gebet, Anteilnahme und Geld unterstützt; Danke für Eure Treue und Hilfe.
Unsere Hoffnung muss Phantasie bekommen, Gott hat damit den Anfang gemacht, in seinem
geliebten Sohn Jesus von Nazareth, in ihm hat die Hoffnung der Menschen, die Hoffnung dieser kranken Welt, Hand und Fuß bekommen, und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Gott hat damit den Anfang gemacht, wir müssen weiter-machen.
Euch allen, eine Gesegnete Weihnacht und Friede und Gesundheit im Neuen Jahr!
Das wünscht von Herzen, zusammen mit allen MitarbeiterInnen der Acesa,
Frei Klaus