Europatag 2017 am Franken-Gymnasium Zülpich:

„Das Zeitalter der Reformation und seine Bedeutung für Europa“

Seit 2014 ist das Franken-Gymnasium Europaschule des Landes NRW. Der diesjährige Europatag widmete sich einem zentralen Thema des Jahres 2017. Im Jubiläumsjahr beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Wirken Martin Luthers vor 500 Jahren und beleuchteten die Bedeutung dieses Zeitalters der Reformation für Europa. Während eines vorbereitenden Projekttages erarbeiteten bzw. vertieften die einzelnen Arbeitsgruppen Themen im Bereich der Geschichte, der Religion, der Naturwissenschaften, der Musik oder der Sprachwissenschaft.

Natürlich stand bei vielen Projekten die Person Martin Luthers im Fokus. Er war ein Mensch voller Spannungen und vor allem ein Mensch seiner Zeit. So glaubte Luther natürlich an die Existenz von Hexen und den Kampf mit dem Teufel. Daher analysierte auch ein Projektkurs der Oberstufe den Film „Der Name der Rose“ von Umberto Eco, um sowohl den religiösen als auch den geschichtlichen Hintergrund in der Vorzeit zur Reformation zu erfassen und atmosphärisch einzufangen.

Die Zeit um 1500 war eine Zeit im Wandel – wie auch unsere heutige Zeit.

Das heliozentrische Weltbild, mit dem sich ein anderer Projektkurs beschäftigte und auch als Modell anschaulich darstellte, führte zu einer Krise in der Auseinandersetzung mit dem Weltbild der Bibel. Themen wie „Der geographische Wandel in Europa“, „Der Buchdruck als Antrieb der Reformation“ und „Leonardo da Vinci – Humanismus und Reformation“ sind nur einige Beispiele für die Vielfalt der Aspekte, die diesen Wandel deutlich machen.

Letztlich ging es auch um eine Frage der Werte. Der „Freiheitsgedanke“ Martin Luthers bezog sich auf die Freiheit des Gewissens. Diesen Anspruch auf „Gewissensfreiheit“ vertrat Luther sowohl vor dem Papst als auch vor dem Kaiser. Die Projektgruppen, die sich z.B. mit den Themen „Thesenanschlag - damals und heute“, „Der Ablass“ oder „Müntzer und Luther“ beschäftigten, zeigten auf, dass es Luther um eine Reform der Christenheit – eine Reform des Glaubens – ging und nicht um politische Freiheitsideen wie in den Bauernkriegen.

Dazu mussten die Menschen aber zuerst das „Wort Gottes“ – die Bibel – verstehen. Luther war nicht der erste Übersetzer der biblischen Schriften, aber seine große Leistung besteht in der Qualität seiner Übersetzung. „Dem Volke aufs Maul schauen“ – Luther übersetze die lateinischen bzw. hebräischen Texte so, dass sie auch für den einfachen Gläubigen zu verstehen waren. Den Themen „Buchdruck“, „Initialien und Kalligraphien“ sowie „Sprache und Sprachspiele“ widmeten sich einige Projektkurse der Unterstufe mit sehr beeindruckenden Ergebnissen.

Dieser sprachliche Wandel vollzog sich bis in die Kirchenlieder. Im Bereich der Musik zeigte die Arbeitsgruppe die Bedeutung Martin Luthers als Kirchenmusiker auf. Die Gläubigen waren zu Luthers Zeiten nicht aktiv am Gesang beteiligt. Da alle Texte und Lieder in Latein waren, mussten sie „stumm“ beten bzw. nur zuhören. Dies änderte sich mit den Kirchenliedern Martin Luthers, die sich musikalisch an bekannten Melodien orientierten und in deutscher Sprache waren. Diese Lieder werden bis heute in den Gottesdiensten gesungen.

Veränderungen gab es aber auch in weiterer Hinsicht. Die Heirat Martin Luthers mit der ehemaligen Ordensfrau Katharina von Bora vertieft einerseits die Abspaltung von Rom, andererseits entsteht durch die „Familie Luther“ ein neuer Begriff: das evangelische Pfarrhaus. Eine Projektgruppe der Oberstufe arbeitete das Wirken und die Bedeutung Katharina von Boras vor allem im Hinblick auf die Bildung für Frauen heraus.

So sind die Erkenntnisse in der Wissenschaft und die Bildung, vor allem aber die Freiheit des Gewissens nur Beispiele für die Errungenschaften einer schwierigen Zeit, einer Zeit, in der die Menschen für Werte kämpften, die uns heute leider oftmals als „selbstverständlich“ gelten.

Die Ergebnisse der Projektgruppen konnten sich die Schülerinnen und Schüler sowie interessierte Eltern dann am Europatag selbst in den Ausstellungsräumen ansehen und erläutern lassen. Zu Beginn einer Feierstunde im Forum führte die kommissarische Schulleiterin, Frau Thumann-Langva, in ihrer Rede in die Thematik des diesjährigen Themas zum Europatag ein. Sie verwies dabei sowohl auf Ereignisse der Reformationszeit, deren Entwicklungen das heutige Europa prägen, als auch auf die Bedeutung eines starken Europa in der heutigen Zeit. Als Gastredner begrüßte sie Herrn Zumbusch ( evangelischer Pfarrer in Zülpich).

Musikalisch wurde die Feierstunde mit kurzen Beispielen aus dem Schaffen des Kirchenmusikers Luther abgerundet.

Beim Rundgang durch die Ausstellungsräume beeindruckte nicht nur die Vielfältigkeit der Projekte, sondern auch die gute Präsentation.

Waltraud Schuba

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