USA-Austausch 2012: Museen in New York

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Lower East Side Tenement Museum
Am Freitag, den 12. Oktober 2012, besuchten wir (20 Schülerinnen und Schüler sowie 2 Lehrkräfte des FraGys) das Lower East Side Tenement Museum. Hierbei handelt es sich um ein fünfstöckiges ehemaliges Mietshaus aus Backstein, dessen Räumlichkeiten größtenteils noch original, gemäß des Zustandes gegen Ende des 19./zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhalten sind. Es steht stellvertretend für die Vielzahl an vergleichbaren Mietshäusern aus dieser Zeit, welche sich über ganze Wohngebiete erstreckten.
Besonders beeindruckend ist es, dass das Gebäude innerhalb von 72 Jahren (1863-1935) insgesamt von ca. 7000 Menschen 20 verschiedener Nationalitäten bewohnt wurde. Die Vielzahl der Mieter lässt auf einen raschen Wohnungswechsel schließen. Die darüber hinaus sehr beengte Wohnraumsituation wurde besonders während eines geführten Rundganges deutlich: Ein Stockwerk umfasst vier Wohnungen, welche sich wiederum aus drei kleinen Räumen zusammensetzen, die oftmals von Familien mit bis zu 12 Familienmitgliedern bewohnt wurden.
Mietshäuser wie das heutige Museum stellten zur damaligen Zeit der großen Einwanderungswellen erste Anlaufstellen für Immigranten dar, die ihren Lebensunterhalt z.B. in der Kleiderindustrie verdienten. So dienten die engen Wohnungen nicht nur als Ort des alltäglichen Familienlebens, sondern auch als Heimarbeitsplätze, je nachdem sogar für Arbeiter, um z.B. einzelne Kleidungsstücke anzufertigen, bevor diese von Kindern an Fabriken geliefert wurden.

Ellis Island
Am darauffolgenden Tag suchten wir Ellis Island auf, eine im Hafengebiet von New York gelegene Insel, welche 30 Jahre lang Sitz der Einreisebehörde sowohl für den Staat als auch für die Stadt New York war und somit eine zentrale Sammelstelle für Immigranten in die USA darstellte.
Insgesamt sind mehr als 12 Millionen Menschen über Ellis Island in die Vereinigten Staaten eingewandert. Hierbei stellte die Insel das „Haupteingangstor" der Nation zwischen 1892 und 1924 dar. Heute können über 100 Millionen Amerikaner ihre Herkunft auf Vorfahren zurückführen, die Ellis Island passiert hatten, bevor sie sich im Land verstreut ansiedelten.
Nach Restaurationen in den 1980er Jahren wurde das auf der Insel gelegene Gebäude als Museum zur Geschichte der Immigration in die Vereinigten Staaten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ist seitdem Symbol für das Einwanderungserbgut der USA. Chronologisch wird in Form einer Ausstellung die Bedeutung der Anlaufstelle während der gesamten Einwanderungsgeschichte verdeutlicht, die sich über vier Jahrhunderte erstreckt.
Die Gebäude der Insel waren für eine Gesamtkapazität von ca. 500.000 Immigranten jährlich ausgelegt, mussten jedoch zeitweise doppelt so viele Personen aufnehmen. Trotz des großen Andrangs wurde jeder einzelne potentielle Immigrant in einer zweiminütigen Befragung auf mögliche gesundheitliche Probleme und Intelligenz untersucht. Traten hierbei Komplikationen auf, was z.B. aufgrund sprachlicher Schwierigkeiten durchaus der Fall sein konnte, mussten sie einen längeren, ausführlicheren Prozess durchlaufen, währenddessen sie jederzeit aussortiert werden konnten. So kam es durchaus vor, dass einzelnen Familienmitgliedern die Einreise untersagt wurde.
Besonders anschaulich und interessant war es für uns Schüler, mehr über die persönliche Geschichte einzelner Immigranten zu erfahren. Dies half uns, uns besser in deren Situation hineinzuversetzen. Jede Geschichte ist einmalig und zeigt den Mut sowie die Entschlossenheit der Einwanderer auf. Mithilfe dieser Motivation hatten sie ihre Heimat verlassen und suchten nach neuen Möglichkeiten in einem völlig unbekannten Land.
Alles in allem haben uns die Besuche der Museen gut gefallen. Sie haben es uns ermöglicht, uns ein Bild von der damaligen Immigrationssituation und den damit verbundenen Risiken zu machen. Auch die Überfahrt von Süd-Manhattan zur Insel Ellis Island mit Blick auf die Skyline vorbei an der Freiheitsstatue war sehr schön.

Anne Kremer & Klaudia Stupp, Stufe Q1