Bildung ist alles - ein Projekt der Klasse 5c (2013)

IMG 0008Die Klasse 5c hat unter verschiedensten Aspekten an diesem Projekt einige Wochen gearbeitet. Der Schwerpunkt lag auf dem Vergleich des eigenen Schulalltags mit gleichaltrigen Kindern in Boboyo, einem kleinen Dorf in Nordkamerun. Sie haben erfahren, dass es nicht selbstverständlich ist morgens mit einer gepackten Schultasche zur Schule zu gehen und an einem Schultisch zu sitzen, Bücher, Hefte, Pausenbrot und Stifte auszupacken. Der Weg zur Schule kann in Kamerun ein bis zwei Stunden Fußmarsch bedeuten, während in Zülpich Schulbusse für die längeren Strecken eingesetzt werden. Neu war auch dass die Versorgung mit Strom und Internetzugang nur selten funktionieren und der geplante Austausch von Emails gar nicht erst möglich ist.

Das Projekt war fachübergreifend angelegt. Die Schüler haben im Englischunterricht Briefe an die Schüler in Boboyo geschrieben und sich vorgestellt. In Erdkunde folgte der Erarbeitung von Klima, Landwirtschaft und Lebensformen in Kamerun Überlegungen zu Alltagspflichten und Freizeitverhalten gleichaltriger afrikanischer Schüler. In Kunst haben sie für das Projekt fotografiert, gemalt und gezeichnet.

Die Schüler hörten einen Vortrag der Architektur Studentin Hannah Warrach von der RWTH Aachen, die in Boboyo an dem neuen Schulbau mitarbeitet und erfuhren, dass viele Kinder nicht zur Schule gehen, sondern ihren Eltern bei der Feldarbeit helfen oder auf die jüngeren Geschwister aufpassen müssen. Die Familien leben traditionsgemäß in Rundhütten, die in Lehmbautechnik errichtet werden. Es gibt mehrere Hütten für eine Familie, die von einer Mauer oder Hecke abgegrenzt werden. Man baut dort gerne mit modernen Materialien wie z. B. Beton und Wellblech, die aber für das Klima nicht geeignet sind. Die neue Schule wird also in traditioneller Lehmbauweise errichtet.

Bei dem Unterrichtsgang in das FairCafé von FairZülpich entdeckten die SchülerInnen viele Produkte aus der Dritten Welt,  z. B. Kakao aus Kamerun. Herr Eppelt und Frau Pohla vom Vorstand erklärten, wie Kakao angebaut wird, welche wirtschaftliche Bedeutung ihm zukommt und dass sehr viele Kinder in den Plantagen arbeiten und wie Sklaven ausgebeutet werden. Bei Fair gehandelte Produkten kommen solche Missstände nicht vor.
FairZülpich unterstützte die Projektarbeit, indem sie die Klasse empfangen und mit fair gehandelten Kakao und Schokolade verwöhnt hat, aber auch  finanziell, da sie die Kosten für die Fotodokumentation übernommen hat.

Im Rautestrauch –Joest Museum ‚Kulturen der Welt' in Köln hatten wir eine Führung zu dem Thema ‚Der verstellte Blick – Klischee und Vorurteil in Afrika'. Diese Fahrt wurde von dem Förderverein der Schule finanziell unterstützt. Es war spannend die Vorurteile in der Alltagskultur aufzuspüren, denn Afrika wird überwiegend klischeehaft und stereotyp charakterisiert. In den Medien wird selten gezeigt, dass Afrika ein sehr reicher Kontinent ist und viele Menschen in modernen Großstädten leben. Zu dem Thema "Kinderarbeiten" haben einige Schüler ausprobiert die Last von 30 kg, gleichmäßig verteilt an einer Schulterstange hängend, zu heben. Es war nahezu unmöglich, während viele junge Kinder in der dritten Welt bereits diese Last heben und über lange Strecken transportieren müssen.

Der Schulbau von Boboyo wird vor allem von Herrn Eric Essam gefördert. Er hat die ngo ident.africa e.V. gegründet, um diese Bildungsprojekt zu realisieren. Bildung ist die Voraussetzung für die Teilnahme am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben. Nur mit einem soliden Fundament an Bildung können die Menschen ihre Zukunft selbst gestalten.

Herr Essam ist in Kamerun aufgewachsen und lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Er engagiert sich schon lange für seine Heimat und er hilft z. B. den Frauen eine Nähstube einzurichten oder eine Hühnerzucht aufzubauen. Sein informativer Vortrag wurde durch viele persönliche Erlebnisse sehr unterhaltsam gestaltet. Seine Biografie macht noch einmal deutlich, wie wichtig Schulbildung ist. Aufgrund seiner sehr guten schulischen Leistungen bekam er ein Stipendium um in Deutschland zu studieren. Er ist Sales Manager einer großen Firma und lebt mit seiner Familie in Köln.

Das Projekt „Bildung ist alles" hat bei den Schülern Interesse für globale Zusammenhänge geweckt, und einen Impuls gesetzt zur Entwicklung  einer solidarischen, gerechten und nachhaltigen Einstellung. Sie haben einen Einblick in Faire Handelsbeziehungen in Bezug auf das afrikanischen Land Kamerun gewonnen.
Vor allem hat das Projekt geholfen Verständnis für eine andere Lebensweise zu entwickeln und gezeigt, dass mit persönlichem Engagement sehr viel erreicht werden kann.
Herr Essam wird bei seinem nächsten Besuch die Briefe der Schüler der 5c und auch einige Briefe einer 8. Französischklasse mit nach Boboy/Kamerun nehmen und dort verteilen Wir hoffen auf Antwort !

Mit diesem Projekt habe wir uns bei dem Wettbewerb des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: ‚Mixed Up – Kultur macht Schule' beworben und sind mit einer Urkunde ausgezeichnet worden.

Ingrid Warrach

 

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