„Anders streiten lernen“

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- ein Klassenprogramm zur Gewaltprävention in der Jahrgangsstufe 5/ 6 in Anbindung an die Streitschlichtung

Kinder lernen Laufen und sprechen, sie entdecken ihre Umwelt, lernen lesen, schreiben, rechnen, später Fremdsprachen und noch vieles mehr. Aber auch der Umgang mit Konflikten, das „richtige Streiten“, will gelernt werden.

Konflikte gehören zu unserem Leben, sie machen es sogar spannend. Jeder Fünftklässler stimmt uns da aus Überzeugung zu. Weiß er doch,  dass Konflikte entstehen, weil jeder von uns anders ist als sein Gegenüber, andere Interessen hat. Wären wir alle gleich, wäre das Leben doch sehr langweilig.

Soll der Streit aber ohne äußerliche und versteckte Blessuren abgehen, muss man es richtig machen. Aber wie?

Die Mediation, speziell das Bensberger-Mediations-Modell (BMM), nach dem wir an unserer Schule schon sehr erfolgreich seit nunmehr 14 Jahren arbeiten, bietet uns da ein didaktisches Modell an.

streitschlichtung

Das Modell verknüpft die beiden Handlungsfelder Prävention und Intervention miteinander. Der Streit soll nicht nur geschlichtet werden, wie es unsere Schlichter tun, indem sie den Streitparteien helfen, eine einvernehmliche Lösung für ihr Problem zu finden, sondern die Schüler sollen mit dem entsprechenden „Equipment“ auf Streitsituationen vorbereitet werden.

Das Bensberger Mediations-Modell wurde von einem pädagogischen Trainerteam der Thomas-Morus-Akademie, dem auch Frau Mölders angehört, entwickelt und hat sich im Alltag vieler Schulen schon seit Jahren bewährt.


Wir am Fragy sind also schon lange mit dabei. Wir sind  eine der „Pilotschulen“, an denen die Erfahrungen gesammelt wurden, die mit zur Entwicklung der Modells führten: Bei uns werden aber auch die neu entwickelten „Bausteine“ in der Praxis erprobt und weiterentwickelt.

Wie sieht die Arbeit konkret aus?
Das BMM bietet in einem strukturierten Trainingsprogramm von Beginn der Schulzeit den Schülerinnen  und Schüler einer Klasse feste Sprach- und Handlungsmuster zur Konfliktlösung an. „Sie lernen streiten“ mit einem klaren Ziel: In Zukunft sollen nicht wir, die Erwachsenen, die  Konflikte der Kinder„regeln“, sondern die Konflikte werden von den Kindern zunehmend selbstständig „gelöst“.

Im Rahmen des „Persönlichen Lernens“  wird an unserer Schule in der Stufe 5/6 seit einigen Jahren das Klassenprogram von den Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern, die sich zu diesem Thema laufend fortbilden, durchgeführt. .

Die Klassenprogramme sind strukturiert in einzelne Trainingsbausteine, die aufeinander aufbauen. Erst wenn ein Baustein beherrscht wird, gehen wir eine Stufe weiter.
Zunächst lernen die Kinder anhand von Streitgeschichten,  wie man sich an Gesprächsregeln hält, wie man seine eigenen Streitanteile benennt , über seine Gefühle im Streit sprechen kann, wie man sich durch einen Rollenwechsel  in die Sichtweise des anderen hinein versetzen kann und so auch dessen  Gefühle erspüren kann, ihn also verstehen lernt. Dies ist eine wichtige Übung zur Stärkung der Empathiefähigkeit.  Im nächsten Schritt machen sich die Streitpartner gegenseitig kreativ Lösungsvorschläge und halten diese dann im Falle des Hosentaschenbuches auch in einem Vertrag fest.


Die Programme werden zunächst im Rollenspiel durchgeführt an „fremden Fälle“, also an Geschichten, in die die Schülerinnen und Schüler nicht persönlich verwickelt sind. Sie sollen zunächst das Verfahren kennen lernen und einüben.  Dazu ist  eine gewisse Distanz zur eigenen Befindlichkeit notwendig.. In „ihrer Rolle“ wahren sie diesen Abstand.

Sind die Rituale vertraut, dann folgt als letzter Baustein das Hosentaschenbuch, das alle erlernten Bausteine enthält.


Ziel des „Hosentaschenbuches“ ist es, dass die Kinder nun das Erlernte in „ihrem Ernstfall“ anwenden können, dass sie ihren Konflikt selbstständig ohne fremde Hilfe allein mit ihrem Streitpartner beilegen können.


Also die höchst mögliche Form der Selbstständigkeit bei der Klärung von Konflikten.

Das Modell setzt das Leitbild einer konstruktiven Konfliktkultur, die geprägt ist durch gewaltloses Handeln, Eigenverantwortlichkeit, Empathie, Dialogorientierung, Zulassen von Andersartigkeit durch die Rituale des Klassenprogramms praktisch um.

Es verändert die Haltung der Kinder, aber auch die von Erwachsenen, es weist uns einen Weg zum friedlichen Miteinander, ohne den Konflikt zu scheuen.


Im Gegenteil: Kann man richtig streiten, dann macht Streiten so richtig Spaß!