Bewegender Abend in der Begegnungsstätte Martinskirche in Zülpich –

Franken-Gymnasiasten präsentierten ihre Reflexionen im Anschluss an die Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz

             8.11.17 104

Unter dem Leitwort „Wer die Vergangenheit vergisst, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“ (George Santayana) präsentierten 24 Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II des Franken-Gymnasiums in Zülpich unter der Leitung von Tim Lentfer und Ilona Zingsheim am 08.11.2017 in der Martinskirche ihre Erfahrungen und Reflexionen im Anschluss an die Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz im September des Jahres.

Es fällt nicht leicht, die Erlebnisse, Eindrücke und Gefühle zu Auschwitz, dem Ort, der die Gräueltaten des Nationalsozialismus wohl am meisten versinnbildlicht, in Worte zu fassen. Dennoch gelang es den Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrern eindrucksvoll, dem Publikum in der Begegnungsstätte Martinskirche eben diese Eindrücke und Gefühle in Bildern, Worten und in der dargebotenen Musik zu vermitteln.

Eingeleitet wurde der Abend durch Katja Müllers Darlegungen zu den Gründen für eine Teilnahme an einer Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz. Sie brachte dem Publikum u. a. näher, dass eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Schrecken, der vor gut 70 Jahren in Auschwitz herrschte, kaum im Unterricht geschehen könne. Bücher, Texte und Bilder könnten nur schwer Gefühle, Geschehenes und Eindrücke vermitteln. Vor Ort werde aber schmerzlich bewusst, dass das, was eigentlich unvorstellbar sei, grausame Realität gewesen sei, und dass in Zeiten wachsender Fremdenfeindlichkeit und Angst vor dem Anderen in Europa diese Tragödie allen eine Warnung sein müsse.

Im weiteren Verlauf des ersten Teils des Abends erhielten die Zuhörer, unter denen auch Vertreter zweier Sponsoren der Gedenkstättenfahrt waren, Herr Eichholz (Leiter des Beratungscenters der Kreissparkasse Euskirchen in Zülpich) sowie Herr Anders (Vorstandsvorsitzender der Marga und Walter Boll-Stiftung) einen Eindruck davon, was die Schülerinnen und Schüler in den mehrstündigen Führungen im Vernichtungslager Birkenau, im Stammlager Auschwitz I sowie in den Workshops vor Ort, etwa zu „Kunst in Auschwitz“ oder „Kinder in Auschwitz“ erlebten, dachten und fühlten. Dabei standen stets die persönlichen Reflexionen der Schülerinnen und Schüler während des Vortrags im Vordergrund, welcher durch Fotos oder Zeichnungen von Inhaftierten des Vernichtungslagers unterstützt und veranschaulicht wurde. In der Pause konnte das Publikum dann koscheren Wein kosten und mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Gedenkstättenfahrt ins Gespräch kommen.

Der zweite Teil des Abends widmete sich zunächst einzelnen Inhaftierten des Vernichtungslagers Birkenau und ihrer Biografie sowie ihrer Verarbeitung des Erlebten anhand von Tagebucheinträgen, Lyrik oder Prosatexten. Zudem wurden literarische Auseinandersetzungen der Schülerinnen und Schüler dargeboten, so etwa eine Kurzgeschichte von Cora Thon zum sogenannten „Todesmarsch“ sowie ein Gedicht von Karina Dittmeier zum anderen „Museumsbesuch“ in der Gedenkstätte Auschwitz. Ebenfalls wurden Zitate aus den im Anschluss an die Gedenkstättenfahrt formulierten Reflexionen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorgetragen, bevor Lena Dittmann in einem ausführlichen Text ihre Erfahrungen, Gedanken und Gefühle zu Auschwitz darlegte.

Auch im zweiten Teil des Abends ermöglichten die von Alexander Balas (Trompete) oder von Karina Dittmeier (Geige), Katharina Haus (Geige) und Donatus Haus (Klavier) dargebotenen jüdischen (Volks)Lieder und Werke jüdischer Komponisten, das Gehörte und Gesehene nachwirken zu lassen.

Zum Schluss ihrer Präsentation sangen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Lied „Hevenu schalom alejchem“ und verdeutlichten so noch einmal mehr, dass Engagement für den Frieden in der Welt sehr wichtig ist.

Während der Veranstaltung betonten die Schülerinnen und Schüler insbesondere auch ihre Verantwortung für eine Erinnerungskultur und für das Gedenken der zahlreichen Opfer. Im Bericht von Theresa Berg zum bewegenden Gespräch mit der Zeitzeugin Lidia Maksymowicz am letzten Tag der Gedenkstättenfahrt wurde noch einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig das Erinnern an das wohl schlimmste Kapitel der deutschen Geschichte ist und dass die Schülerinnen und Schüler sich bewusst sind, die letzte Generation zu sein, die in den Austausch mit Zeitzeugen treten kann.

Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Gedenkstättenfahrt ist es ein besonderes Anliegen, sich dafür stark zu machen, dass Menschen nicht mehr verachtet, ausgegrenzt, verfolgt oder gar getötet werden. Fahrten und Veranstaltungen wie diese tragen dazu bei, das Erinnern aufrechtzuerhalten, denn „[w]er […] vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart“ (Richard von Weizsäcker).

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