Olympiasieger in der 10a

Schon Tage vorher hatte uns unser Religions- und Sportlehrer, Herr Büttner, mit Zeitungsberichten und Buchauszügen rund um Rainer Schmidt versorgt, woraus wir erfuhren, dass unser eingeladener Gast schon mehrfach Gold und Silber bei den Paralympics gewonnen hatte.

Am Freitag, den 14.1., war es dann endlich mit dem Besuch bei uns soweit.

Zur dritten Stunde waren Vorstellung und ein Vortrag über die Integration von behinderten Menschen geplant, den Schmidt halten würde. Dazu wurden dann auch die geplanten Stundenthemen hinten angestellt, Räume getauscht und die Religionsgruppen der Jahrgangsstufe 10 sowie Teilnehmer aus der praktischen Philosophie versammelten sich zum Vortrag in Raum 244, der bei dem Interesse und Andrang schon fast zu klein wurde. 

Kaum einer der anwesenden Schüler wusste wirklich, was da auf uns zukam. Erst als wir Schmidt dann sahen, wurde uns das volle Ausmaß seiner Behinderungen bewusst. Er kam ohne Unterarme und mit einem stark verkürzten Oberschenkel zur Welt. Wir waren angenehm überrascht, als Schmidt anfing aus dem Nähkästchen zu plaudern und so manche schräge Anekdote aus seiner Schulzeit erzählte. Sein Abitur hat er zu unserer Überraschung an einem ganz normalen Gymnasium abgelegt. Auch hatte er kein Problem damit, Herrn Fütterer das Gegenteil zu beweisen, als dieser ihn fragte, ob er nicht Hilfsmittel zum Schreiben bräuchte. „ Natürlich brauche ich einen Bleistift“ war die Antwort. Ergänzend muss auch noch sagen, dass der Mann eine sehr leserliche „Handschrift“ hat. Der Vortrag an sich verlief auch ganz anders als erwartet, denn Schmidt befasste sich mehr mit seinem Lebenslauf, den er in einer sehr lockeren und interessanten Weise schilderte und weniger damit, wie schwer doch das Leben als körperlich Behinderter sei, vielmehr meinte er, dass ihm seine Behinderung in den ersten Jahren noch nicht mal als eine solche aufgefallen sei. Ganz nach dem Titel seines Buches: „ Besser Arm ab, als arm dran“.
Alles in Allem kann man sagen, dass der Vortrag sehr interessant war und und alle Teilnehmer von der Persönlichkeit und den eindrucksvollen Schilderungen des Paralympiers sowohl beeindruckt wie auch betroffen waren. Ein bedauerliches Manko war lediglich die begrenzte Zeit . In der fünften und sechsten Stunde (Sportunterricht) hatten unsere Klasse, die 10a, aber dann doch das Vergnügen, mit dem super Behindertensportler beim Tischtennis einige Bälle über die Platte zu jagen. Er gab uns Tipps, wie wir unsere Technik verbessern könnten und wie es einfacher wäre zu spielen. Wir staunten nicht schlecht, als wir mit eigenen Augen sahen, wie geschickt er die Bälle mit der Schulter auffing und sie uns um die Ohren schmetterte. Zum Ende hin organisierten wir dann noch ein kleines Turnier, wo sich auch jeder dran beteiligen konnte, doch keiner von uns schaffte es auch nur annähernd, Schmidt zum Schwitzen zu bringen, was ihm allerdings mit uns sehr gut gelang.Zum Abschluss fand sich dann auch unser Schulleiter Herr Dr. Thierfeldt bei uns ein und gab sich die Ehre mit Schmidt ein paar Bälle zu spielen. Zum Erstaunen und zur allgemeinen Freude von uns Schülern bewies unser Schulleiter unerwartet großes Talent und Ballgefühl gleich bei den ersten Bällen. Ja sogar Schmetterbälle und mehrere Punkte gelangen Dr. Thierfeldt gegen den Profi ! 

Abschließend gab Herr Schmidt uns noch Autogramme und schrieb säuberlich Widmungen auf seine mit Sponsoren gespickten Autogrammfotos . Sein Buch, welches wir doch über seine Homepage bestellen sollten, wenn wir es kaufen, trägt den , nur wenn man den Autoren wie wir erlebt hat, fast verständlichen Titel: „Lieber Arm ab als arm dran“. Wir alle fanden es erstaunlich, dass Schmidt mit seiner Behinderung so offen umgehen kann.


Zum Abschluss dieses kleinen Berichtes sollte man vielleicht noch erwähnen, dass Herr Schmidt, der z.Zt. Pastor ohne Anstellung ist und als Referent und Autor seinen Lebensunterhalt bestreiten muss, von uns für seinen Vortrag und die Tischtennisdemonstration nichts haben wollte. Natürlich bedankten wir uns mit brausendem Jubel und Beifall und mit einem T-Shirt vom 100. Jubiläum des Franken-Gymnasiums. Wir können nur sagen, dass es sehr viel Spaß gemacht hat und wir uns gefreut haben eine solch eindruckvolle Persönlichkeit: Pfarrer und Paralympic-Spitzensportler, getroffen und kennen gelernt zu haben.

In Zukunft werden wir sicher Behindertensport und Menschen mit Behinderungen mit anderen Augen sehen und beurteilen!

Helena, Steffi, Fabian

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