Soziales Engagement für ein gewaltfreies Miteinander am Franken-Gymnasium

Schulmediation (Streitschlichtung) am Franken-Gymnasium

Was 1997 mit einer für damalige Verhältnisse mutigen Entscheidung der Lehrerkonferenz am Franken-Gymnasium begann, erweist sich heute, 14 Jahre später, als Beginn einer Erfolgsgeschichte. Gemeint ist die Einführung der Streitschlichtung durch Schüler für Schüler.
Wir haben uns damals dafür entschieden, nicht weil wir besonders streitsüchtige oder gar gewalttätige Schüler hatten, sondern ganz einfach aus der Idee heraus, dass auch „Richtig Streiten gelernt sein will“ und weil wir der festen Überzeugung waren, dass Schüler durch die Ausbildung zum Streitschlichter ein hohes Maß an Sozialkompetenz erwerben. 
Im Laufe der Jahre wurden weit über 200 Schlichterinnen und Schlichter ausgebildet, die unzählige Streitfälle geschlichtet haben und somit ein Stück Mitverantwortung für den Schulalltag übernommen haben.
Für die Schlichter selber, die in ihrer einjährigen Ausbildung nicht nur das Schlichten lernen, sondern auch ganz handfest in die Praxis des aktiven Zuhörens, der gewaltfreien Kommunikation, des Umgangs mit der Körpersprache und vielem mehr eingeführt werden, hat sich dies im Laufe der Jahre als wichtige Zusatzqualifikation erwiesen, die für so manchen Beruf nicht nur im juristischen und sozialen Bereich sehr nützlich ist.
Viele unserer Schlichter wurden auch zusätzlich Paten für die Klassen 5 und konnten so ihre erworbenen Fähigkeiten als Ansprechpartner für die „Neuen“ ausprobieren.
Aber auch das Klassenprogramme zum „Anders streiten“, das seit Jahren in den Stufen 5 und 6 durchgeführt werden, ist aus der Streitschlichtung hervorgegangen.

Durch die Verzahnung mit der Thomas-Morus-Akademie in Bensberg, an der Frau Mölders seit 2001 als Trainerin für Schulmediation Kollegen zu Schulmediatoren ausbildet, wurden wir zu einer der Modellschulen, an der das Bensberger Mediations-Modell BMM mit weiterentwickelt wurde. Bei uns werden Bausteine erprobt, die dann an Kollegen bundesweit weitergegeben werden.
Anerkennung fand dies nicht zuletzt durch die Einladung in die Staatskanzlei 2007. Der damalige Ministerpräsident Rüttgers lud zu einem Gespräch mit Schülerschlichtern ein. Unsere Schüler haben dort die Schulform Gymnasium vertreten
In neuerer Zeit hat sich dazu auch eine „Anti-Mobbing-Konzeption“ gesellt mit dem zentralen „No-Blame Approach“. Seit mehreren Jahren wird dieser Ansatz zur Intervention bei Mobbing bei uns sehr erfolgreich praktiziert und hat schon so manchem Schüler geholfen und so manche Klasse, die durch Mobbing infiziert war wieder gesunden lassen.

12.7.2011 Elisabeth Mölders
(betreuende Lehrerin der Schulmedition am Fragy)

Klassenpatenschaften in Klasse 5

An unserer Schule eingeführt wurde das Projekt „Gib 8! Gewalt hat viele Gesichter“ durch die Sozialpädagogin Ruth Frische, die mit Lehrer/nnen und Schüler/nnen unserer Schule, des Emil-Fischer-Gymnasiums, Euskirchen, und der Hauptschule Zülpich zwei Jahre lang - von der Aktion Mensch finanziert - zusammenarbeitete und damit die Grundlage für „unsere“ Patenausbildung schuf.

Seit dem Schuljahr 2004/2005 werden unsere 5. Klassen durch ein Patenteam von drei älteren Schülerinnen oder Schülern betreut, die vom ersten Schultag an den Neulingen am Franken- Gymnasium als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Sie kennen sich aus in der neuen Schule, wissen, wo die Fachräume sind, helfen bei der Schulrallye, die am ersten Tag stattfindet, und begleiten zum richtigen Bus für die Heimfahrt vom Adenauerplatz. 

Aber das ist nicht alles. Sie kommen jeden Monat für eine Schulstunde in „ihre“ Klasse mit vorbereiteten, selbst geplanten Aktivitäten, die mit den Klassenlehrer/innen abgesprochen sind und mit dazu beitragen sollen, das Kennenlernen untereinander und schließlich auch das „Wir-Gefühl“ in der Klasse zu stärken. So bringen sie immer wieder neue soziale Lernspiele mit - von Kennenlernspielen über Wettbewerbsaktivitäten hin zu Teamspielen, die den Gruppenzusammenhalt stärken. In besonderen Fällen haben sie auch methodische Konzepte vorgesehen, wenn es darum geht, Probleme in der Klasse genauer zu erkennen und gezielt zu bearbeiten.

Ganz wichtig auch : In jedem Team sind ausgebildete Streitschlichter/innen, die schon ein Jahr im Rahmen einer AG trainiert haben, unfaires Verhalten, Missverständnisse und Streitigkeiten zu erkennen, und die gewaltfreie Wege aus diesen Konflikten weisen können. Oft sind sie es auch, die noch zusätzlich in den Pausen den Bereitschaftsdienst in unserem Streitschlichterraum versehen.
Manche von ihnen sind gleichzeitig noch engagiert als Schulsanitäter und haben dann Bereitschaftsdienst im Nebenraum.

Schön für jede Klasse und ihre Lehrer/innen ist es schließlich, dass diese engagierten Schüler/innen „ihre“ Klassen bei der 5er Klassenfahrt drei Tage lang begleiten – es gibt am Franken-Gymnasium wohl kein Lehrerteam, das freiwillig auf diese fröhlich-unbeschwerte und zugleich kompetente Unterstützung am Tag oder in der Nacht verzichten möchte.

Wir sind stolz auf unsere Patinnen  und Paten – deshalb werden sie auch durch den Förderverein der Schule unterstützt, wenn sie mit ihren Klassen auf Fahrt gehen. 

Es hat sich aber auch herumgesprochen, dass es Freude macht, die jüngeren Mitschüler zu betreuen, so dass wir – trotz Schulzeitverkürzung und Mehrbelastung der älteren Schüler/innen – immer wieder Pat/innen finden, manche sogar, die gerne zwei Jahre lang für unsere neuen 5er da sein möchten. 

18.07.2011 Heike Küper
(betreuende Lehrerin der PatInnen)

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