Bundeskongress der Streitschlichter 2005 in Geseke bei Paderborn unter Mitwirkung von „Zülpicher Streitschlichtern“

Ein Bericht von Elisabeth Mölders

Kurz vor den Sommerferien erhielt ich die Anfrage vom für die Streitschlichtung zuständigen Referenten der Thomas-Morus-Akademie, ob ich mir vorstellen könnte mit einem Peer-Trainer einen Workshop durchzuführen auf dem bundesweiten Streitschlichterkongress 2005, der vom 2.-4.12.2005 in Geseke bei Paderborn stattfinden sollte.

Der Kongress findet in dieser Form alle zwei Jahre statt, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 
Einer von 16 Workshops, eine Herausforderung!

In Lea Dejonghe, Kathleen Hippe und Anna Jung fand ich bald drei engagierte Mitstreiter und so sagte ich zu.

Auch das Thema war bald gefunden: „Streitschlichtung in Gruppen“

Ausschlaggebend für die Auswahl des Themas waren unsere unmittelbaren Erfahrungen im Schulalltag. 

Wir erleben zunehmend: 

Den ganzen November über trafen wir uns regelmäßig montags 7./8.Stunde und überlegten Bausteine, diskutierten, bis wir schließlich ein „Arbeitskonzept“ erarbeitet hatten.

Unsere Ziele:

  1. Wir waren gespannt darauf, unsere Erfahrungen zu diesem Thema mit anderen Schlichtern auszutauschen, voneinander zu profitieren.

  2. Wir wollten den Teilnehmern unser Arbeitskonzept vorstellen. 

  3. Wir wollten dieses Konzept in Rollenspielen mit den anderen Streitschlichtern ausprobieren, darüber diskutieren und es weiter entwickeln, damit wir eine tragfähige Arbeitskonzeption mit nach Hause nehmen für unsere praktische Arbeit an unserer jeweiligen Schule vor Ort.

So entstand unser Plakat.

Am 2.12., nachdem meine 3 Peer-Trainer ihre Deutsch-Arbeit geschrieben hatten, fuhren wir los in Richtung Paderborn.
Dort angekommen waren wir überrascht über die vielen Gleichgesinnten. Etwa 200 Streitschlichter aus allen 16 Bundesländern waren angereist.
Nachdem wir unsere Zimmer belegt hatten, ging es sofort an die Arbeit: Tagesraum vorbereiten, Buttons mit unsere Namen erstellen und schließlich unseren Workshop vor allen vorstellen. Wir waren alle vier gehörig nervös, aber es hat gut geklappt. Dann die bange Frage: „Wer trägt sich bei uns ein?“ Erleichterung machte sich aber bald breit, als sich außer uns noch 12 Teilnehmer eingetragen hatten. Wir gehörten zu den „stattlichen“ Gruppen. Mehr wäre nicht gut gewesen, denn dann hätten wir nicht so viele Übungen und Rollenspiele machen können.

Am Freitagabend haben wir uns Zeit genommen zum Kennen lernen.
16 Schlichter hatten sich im Raum „Dortmund“ eingefunden.
Mit Hilfe einiger Spiele und einer kurzen Vorstellungsrunde war bald das Eis gebrochen.
Zum Abschluss des 1. Tages stellte ich den Teilnehmern unser Programm vor.

Der 2. Tag begann mit einer Einheit zum „Aktiven Zuhören“ einem wichtigen Element der Streitschlichtung.

Dann folgte unser Erfahrungsaustausch
Es zeigte sich, dass einige der Teilnehmer schon Erfahrungen in Schlichtungen mit Gruppen gesammelt hatten, sei es als Schlichter oder als Kontrahenten. 
Es überwogen die skeptischen Kommentare :

Aber gerade daran wollten wir arbeiten.
Wir stellten den Teilnehmern unser Arbeitskonzeptes vor, das wir auf der Basis des Leitfadens für das Schlichtungsgespräch nach dem beim Bensberger – Mediations - Modell BMM („Streitschlichtung durch Schülerinnen und Schüler“ PZ-Information 4/2004 Seite 109) entwickelt hatten.
Dabei ließen wir uns von dem Grundgedanken leiten, dass alle am Konflikt Beteiligten beim Konfliktgespräch am Tisch sitzen sollen. Es soll „nicht über einen geredet werden“, sondern „alle Beteiligten sollen miteinander reden“. 

Die nächste Phase war das Ausprobieren im Rollenspiel.
Das Rollenspiel simulierte ein Konfliktgespräch in Co- Schlichtung, zwei Parteien von je zwei Schülern als Kontrahenten.
Die Peer-Trainer Kathleen und Anna schlichteten im Team, während Lea mich bei der Leitung des Rollenspiels unterstützte. 
Wir hatten uns ganz bewusst dafür entschieden, die Schlichterrolle „vor zu führen“, weil es erstmalig darum ging, dieses nicht ganz einfache Ritual zu testen. Ein weiterer Beweggrund war die Co-Schlichtung als Teamaufgabe zu thematisieren. 

Der „Probelauf“ unserer Konzeption im Rollenspiel erwies sich als erfolgreich. Dies ergab sowohl die Befragung der Rollenspieler, das Ergebnis des Konfliktgesprächs sowie die anschließende Besprechung. An dieser Stelle wurden gezielt einzelne kritische Punkte zwar beleuchtet (Reihenfolge und Umfang der Beiträge zur Klärung des Sachverhalts, Abfolge bei der Empathieübung, Anordnung und Behandlung der Karten bei der Lösungsfindung), es waren aber keine nennenswerten Verbesserungen vonnöten.
Also, nicht nur zufriedene Rollenspieler, sondern vor allem „erleichterte“ Trainer. Wir hatten uns die Mittagspause verdient.

Der Nachmittag nach den Gruppenfoto startete dann mit „Eseltreiben“ einem Spiel, bei dem es darum geht, den rechten Impuls für sein Gegenüber zu entwickeln.

Dann wurde das 2. Rollenspiel durchgeführt, diesmal übernahmen die Teilnehmer alle Rollen. 

Zum Tagesabschluss in der Gruppe haben wir uns ein paar Komplimente geschenkt.

Den Abend verbrachten wir mit allen. Zunächst sorgte das Improvisationstheater Duo-Q-Rage für gute Laune und dann ging es ab in die Disco....
Um so schwerer fiel das Aufstehen am nächsten Morgen. 

Aber unsere Arbeit war noch nicht ganz getan. Es ging ans Gestalten der Puzzleteile für die Präsentation. Jeder Workshop erhielt drei „Rohlinge“.
Die Gruppe einigte sich sehr schnell auf drei Highlights, die sie den anderen Kongressteilnehmern mitteilen wollten:

  1. „Streitschlichtung in Gruppen, das klappt!! Wir haben es erlebt!“ Hier wurde eine Formulierung von Dominik aufgegriffen, der tags zuvor noch etwas skeptisch war. Um diese Kernaussage in der Mitte formulierten die Teilnehmer ihre ganz persönlichen Kommentare.

  2. „Streitschlichtung in Gruppen ist eine Aufgabe für ein Schlichterteam!“ Hier wählten Hanna und Inka, die das Puzzleteil gestalten wollten, das Motiv der zwei Hände, die sich berühren, ergänzen, helfen.

  3. Das dritte Puzzleteil sollte etwas über die Atmosphäre im Workshop aussagen. Das Motiv der Blume, sie hatte in unserer Mitte gestanden, die aufgeklebten Bonbons - auch wir waren eine „Bonbongruppe" - und die Kommentare spiegeln, dass sich die Teilnehmer und auch die Trainer sehr wohl gefühlt haben. Das sollten die anderen wissen!

Die abschließende Präsentation war ein spannender und auch sehr bewegender Abschluss des Kongresses.

Dann kam der informelle Abschied: e-mail Adressen, Handynummern wurden ausgetauscht...
Gegen Mittag saßen wir vier hochzufrieden im Auto. Wir hatten viel erlebt in den zwei Tagen, so viel, dass wir wohl etwas Zeit brauchen, die Eindrücke zu verarbeiten. 
„Wenn man uns in Zülpich fragt, wie es war, brauchen wir gar nicht zu verstellen. Es war wirklich klasse!“ so ein Kommentar vom Rücksitz auf der Heimfahrt. 

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